Substance Requirements
Substance Requirements sind regulatorische Prüfkriterien, die auf Gesellschaften in Niedrig- oder Nullsteuergebieten angewendet werden, um festzustellen, ob diese über echte wirtschaftliche Aktivitäten am Ort ihrer Incorporation verfügen – über eine blosse Briefkastenadresse hinaus. Das Nichtbestehen dieser Substanztests kann zum Verlust des Zugangs zu Doppelbesteuerungsabkommen, zur steuerlichen Umqualifizierung oder zum vollständigen Ausschluss aus bevorzugten Steuerregimen führen.
Substanzregime haben sich in den vergangenen Jahren von offenlegungsbasierten zu nachweisbasierten Systemen entwickelt. Singapurs Section 13O und 13U, die Economic Substance Regulations der VAE sowie die EU-Richtlinie ATAD III verlangen heute nachweisbare Mitarbeiterzahlen, Geschäftsräume und Umsatzaktivitäten statt bloss erklärter Absichten. Prüfungen durch Steuerbehörden sind zur Routine geworden. Auch BaFin und FINMA beobachten grenzüberschreitende Strukturen zunehmend unter Substanzgesichtspunkten.
Family Offices mit Strukturen über mehrere Jurisdiktionen hinweg müssen Substanz als kontinuierliche operative Disziplin betreiben: dokumentierte Verwaltungsratssitzungen am Gesellschaftssitz, qualifizierte Mitarbeiter vor Ort, lokale Geschäftsausgaben sowie umsatzerzeugende Aktivitäten, die einer behördlichen Prüfung standhalten. Die Sanierungskosten nach einem gescheiterten Substanzaudit übersteigen in der Regel bei weitem die Aufwendungen, die eine ordnungsgemässe Substanz von Anfang an verursacht hätte.
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